Louis Agassiz (1807 – 1873)

AgassizIch habe mein ganzes Leben für das Studium der Natur eingesetzt und doch kann ein einziger Satz alles ausdrücken, was ich getan habe. Ich konnte zeigen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Fischen früher geologischer Zeiten und den Stadien ihrer Eientwicklung, – das ist alles. Es war ein Glück, dass dieses Resultat auch auf andere Tiergruppen zutraf und führte zu Schlüssen ähnlicher Natur.
Louis Agassiz, 1869

 

Louis Agassiz ist am 28. Mai 1807 in Môtier im Kanton Fribourg (Schweiz) geboren. Er war der Sohn eines Pfarrers und Neffe des Lausanner Chirurgen Matthias Mayor.

Nach dem Besuch der Mittelschule in Biel und Lausanne studiert er Medizin in Zürich, Heidelberg und München, wo er sich speziell für Zoologie interessiert. 1829 schliesst er sein Medizinstudium mit einer Arbeit über Knochenlehre ab.

Im selben Jahr bereits erscheint seine erste zoologische Arbeit: die Beschreibung einer Sammlung brasilianischer Fische. Diese Arbeit hat Agassiz in Zusammenarbeit mit Professor Martius, einem seiner Lehrer, durchgeführt.
1830 wird Agassiz Doktor der Medizin und lässt sich für eine Weile in Concise, der Pfarrgemeinde seines Vaters, nieder. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit arbeitet er weiter an seinem Fisch-Thema. Bald wird er einer der unbestrittenen Meister der paläontologischen Ichtyologie (Fischkunde).

Ende 1831 geht Agassiz nach Paris, wo er den bekanntesten Zoologen dieser Zeit, Georges Cuvier, überzeugen kann, ihn mit der Aufgabe des Beschreibens der versteinerten Fische der Welt zu betrauen. In dieser jahrelangen Arbeit (1833-1844) entstand eine einzigartige Fisch-Monographie (Recherches sur les poissons fossiles), in der die Anzahl beschriebenen Fische um das Zahnfache der damals bekannten erhöhte.

Durch die Unterstützung von Alexander von Humboldt und Louis Coulon wird am Gymnasium von Neuchâtel ein Lehrstuhl für Naturwissenschaft geschaffen, den Agassiz 1832 erhält und in den 14 Jahren seiner Anwesenheit Neuchâtel zu einem bekannten, wissenschaftlichen Zentrum macht. Das dortige Museum ist stolz auf den Besitz von Agassiz grosser Sammlung von Fisch-Fossilien.

Aus dieser Periode seines Lebens sind zahlreiche Arbeiten hervorgegangen, die klassisch geblieben sind. So seine Arbeit über die Gletscher (Etude sur les Glaciers, 1840). Mehrere Expeditionen auf den Aaregletscher und quartäre Gletscher-Spuren in England führen ihn zur Beschreibung der geologischen Eiszeiten, mir der er nun z.B. die bisher unbekannte Herkunft von erratischen Bläcken befriedigend erklären kann.

Seine Veröffentlichungen verschaffen Agassiz – nicht zuletzt wegen der mustergültigen Tafeln seines Künstler-Mitarbeiters Joseph Dinkel – Bewunderung der gelehrten Fachwelt.

1846 reist Agassiz nach den USA. Gründe sind wohl seine dauernden Finanzsorgen und eine unglückliche Beziehung. Seine Vorträge in Boston sind sogleich von Erfolg gekrönt.

Bald entdeckt er auch in Amerika Spuren von früherer Gletscher. 1848 begibt er sich an die Ufer des Oberen Sees. Das Material von dieser Expedition befindet sich in dem von Agassiz ins Leben gerufene Museum für vergleichende Zoologie, welches 1860 in Cambridge (Massachusetts) eröffnet wird.

Der seit einigen Jahren verwittwetet Agassiz heiratet 1850 ein zweites Mal in Boston. 1851 wird er in Charleston zum Professor ernannt. Ein Jahr später wird er mit dem Cuvier-Preis geehrt.

1865 unternimmt er eine Expedition nach Brasilien, 1871 eine in Amerika. Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Reisen bilden den Stoff seiner letzten Publikationen.

In seinen späteren Jahren wurde er bekannt für seine heftige Opposition Darwins Evolutionstheorie, die begründet war in seiner religiösen Überzeugung. Seine Abneigung gegenüber diesem Thema war so gross, dass er jegliche Diskussion über Evolution ablehnte. Teils aus Witz, teils aus Verärgerung gründeten seine Studenten eine “Gesellschaft zum Schutz der amerikanischen Studenten vor fremden Professoren. ” Als Agassiz von diesem Verein vernahm, entliess er die betreffenden Studenten. Um die Verwandlungen der Lebewelt trotzdem erklären zu können, die aus dem Studium der Fossilien offenbar wird, kommt er auf die Theorie der aufeinanderfolgenden Schöpfungen. Trotzdem wurden ihm seine Gedanken über den vielfältigen Ursprung der menschlichen Rassen von einigen Theologen heftig verübelt.

Trotz seiner Niederlagen trug Agassiz noch vieles zur Förderung der Wissenschaft bei. Er gründete das Museum der Vergleichenden Zoologie in Harvard. Mit der Hilfe des Präsidenten Abraham Lincoln gründete er die National Academy of Sciences.

Agassiz stirbt am 14. Dezember 1873 in Cambridge, MA. Auf seinem Grab liegt ein monumentaler Granitblock aus dem Aaregletscher.

Classification seems to me to rest upon too narrow a foundation when it is chiefly based on structure. Animals are linked together as closely by their mode of development, by their relative standing in their respective classes, by the order in which they have made their appearance upon earth, by their geographical distribution, and generally by their connection with the world in which they live, as by their anatomy. All these relations should, therefore, be fully expressed in a natural classification; and though structure furnishes the most direct indication of some of these relations, always appreciable under every circumstance, other considerations should not be neglected which may complete our insight into the general plan of creation.

 

Publikationen von Agassiz