Oswald Theodore Avery (1877 – 1955)

bild5Er wies bei Pneumokokken die Wirkung der Erbsubstanz DNA nach

Oswald Theodore Avery wurde am 21. Oktober 1877 in Nova Scotia (Kanada) als Sohn eines Geistlichen geboren. In den frühen Achtziger Jahren zog die Familie nach New York. Nach dem Schulbesuch studierte Avery an der Columbia University in New York Medizin und promovierte dort 1904. 1913 erhielt er eine Anstellung am Rockefeller Institute Hospital, wo er bis 1948 als Bakteriologe tätig war. Hier gelang ihm 1944, er war inzwischen fast 67 Jahre alt, die bahnbrechende Leistung, Desoxyribonucleinsäure (DNA) als Erbsubstanz zu identifizieren. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst zog Avery nach Nashville (Tennessee), wo er am 2. Februar 1955 starb.

Avery war ein menschenscheuer, sensibler Mann, der, unverheiratet, sein Leben ganz der Forschung verschrieb. Um seinem Labor im Rockefeller-Institut möglichst nahe zu sein, nahm er sich eine Wohnung auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Selbst im Alter pflegte er die harte Laborarbeit für seine Untersuchungen selbst durchzuführen.

Avery hatte schon seit 1913 mit Pneumokokken gearbeitet. Unter anderem war es ihm gelungen, die Bedeutung der Polysaccharid-Kapsel für die Virulenz der Bakterien nachzuweisen. Als er erfuhr, dass Griffith herausgefunden hatte, dass abgetötete Krankheitserreger durch lebendige harmlose wieder krankmachende Erreger hervorbringen konnten (Transformation), sah er sofort die Möglichkeit, mit dem “transformierenden Prinzip” erstmalig die Erbsubstanz zu identifizieren.

Mit Hilfe von den Mitarbeitern Colin M. McLeod und Maclyn McCarty, zeigte Avery, dass reine DNA aus krankmachenden Bakterien ihre Eigenschaft lebendigen harmlosen Bakterien einflössen konnten. Diese Übertragung aber gelang nicht, wenn die DNA mit Enzymen abgebaut worden war. Ohne dass Avery es ausdrücklich betont hätte, war mit diesen Experimenten nachgewisen worden, dass die DNA die Erbsubstanz der Pneumokokken sein musste.

Avery ging es aber wie Mendel: die Wissenschaft war noch nicht so weit, die grosse Bedeutung seiner Erkenntnisse zu verstehen. Die wohl wichtigste Entdeckung der Genetik seit Mendel wurde nicht mit einem Nobelpreis ausgezeichnet.