Eugène Dubois (1858 – 1940)

Eugène Dubois // merke.chEntdecker des Java-Menschen

Geboren in Eijsden (Niederlanden) am 28. Januar 1858
Gestorben in Haelen (Niederlanden) am 16. Dezember 1940

Der Anatom, Anthropologe und Paläontologe Dubois wurde weltweit bekannt durch seine Entdeckung von Pithecanthropus erectus (heute Homo erectus), dem “aufrecht gehenden Java-Menschen”. Dubois war der erste Forscher, welcher gezielt fossile Reste von Menschenvorfahren suchte. Bislang waren nur eine kleinere Anzahl zufällig gefundener Menschenfossilien bekannt. Seine kaum glaubliche Geschichte, die im Erfolg endete, ist eine Mischung aus Zielstrebigkeit und Zufall.

Heute ist er bekannt als Eugène Dubois, sein Taufname lautet Marie Eugène Francois Thomas Dubois. Er wurde in Eijsden (Niederlanden) am 28. Januar 1858 geboren.

Bereits in seiner Jugend war er, ermuntert durch seinen Vater, der Apotheker war, fasziniert von Naturgeschichte. Er studierte Medizin und schloss 1884 mit einem Doktorat ab. Zwei Jahre später wurde er als Lektor an die Universität Amsterdam berufen. Im selben Jahr heiratete er.

Bereits ein Jahr später gab er seine Anstellung an der Universität auf und reiste nach Indonesien, dem damaligen Holländisch-Ostindien, um nach Menschenvorfahren zu suchen.

Niemand weiss heute genau, warum er seine sichere Anstellung aufgab und sich auf diese unsichere Suche machte. Sicherlich trieb ihn sein Interesse an der Human-Evolution. Er musste auch feststellen, dass ihm seine Anstellung als Lektor nicht sehr gefiel, insbesondere mit seinen Lehrpflichten hatte er Mühe. Auch hatte sich die Beziehung zu seinem Vorgesetzten Max Furbringer verschlechtert, seid Dubois befürchtete, dieser könnte einige von seinen Ideen für sich beanspruchen. Dies war wahrscheinlich unbegründet. Dubois hatte zeitlebens eine beinahe hysterische Angst, dass andere Wissenschaftler seine eigenen Ideen für sich beanspruchen könnten.

Dubois wählte Ostindien, da er wie Darwin und viele andere der Meinung war, dass sich die Menschen in den Tropen entwickelt hätten. Auch war er der Ansicht, dass Menschen nahe verwandt seien mit Gibbons, welche in Indonesien lebten. Und – als Niederländer – konnte er sich in der niederländischen Kolonie problemlos niederlassen und arbeiten.

Als Truppenarzt trat Dubois in die Niederländische Armee ein. Er und seine Frau mit Kind erreichten die Insel Sumatra im Dezember 1887. In seiner knappen Zeit neben den medizinischen Pflichten machte er sich auf die Suche nach Fossilien.

Da seine anfänglichen Funde vielversprechend waren, finanzierte ihm die Niederländische Regierung zwei technische Mitarbeiter und 50 Strafarbeiter. Doch das Anfängerglück trügte. Die Bewaldung erschwerte Grabarbeiten, Wasserknappheit herrschte, der eine Mitarbeiter nützte Dubois wenig und der andere starb, viele Arbeiter wurden krank oder flohen.

Sie fanden einige Fossilien, doch alle von ziemlich geringem Alter. So entschloss sich Dubois, in Java weiterzusuchen, wohin er 1890 gebracht wurde. Ein Grund dafür war der Fund eines menschlichen Schädels, der 1888 von einem Bergarbeiter in Wadjak gefunden wurde.

Dubois begann seine Suche am selben Ort und er fand einen zweiten Schädel, jedoch weniger vollständig. Nun weitete er seine Suche aus auf offenere Landschaften, insbesondere ein Gebiet am Ufer des Solo-Flusses erwies sich als sehr ergiebig. Noch einmal wurden ihm zwei Ingenieure und eine Mannschaft von Sträflingen genehmigt. Diesmal aber waren seine Ingenieure sehr fähig und erkrankten nicht.

dubois_javamanIm September 1890 fanden seine Arbeiter ein menschliches, oder menschenähnliches Fossil bei Koedoeng Broeboes. Es bestand aus dem rechten Teil eines Unterkiefers mit drei Zähnen. Im August 1891 fand er einen Primaten-Backenzahn. Zwei Monate später und nur einen Meter entfernt von dieser Stelle entdeckte er eine intakte Schädeldecke, jenes Fossil, das später als Java-Mensch berühmt werden sollte. Im August 1892 wurde – ebenfalls wenige Meter von besagter Fundstelle entfernt – ein drittes Primaten-Fossil gefunden, ein fast vollständiger linker Oberschenkelknochen.

1894 veröffentlichte Dubois eine Beschreibung seiner Fossilien und nannte sie Pithecanthropus erectus, weil sie weder als Affe noch als Mensch bezeichnet werden könnten.

Dubois kehrte 1895 nach Europa zurück, um das Fossil und seine Interpretation bekannt zu machen. Ein paar Wissenschaftler unterstützten begeistert Dubois’ Arbeit, aber die meisten stimmten nicht mit seiner Auslegung überein. Fast jeder stimmte überein, dass der Oberschenkel von einem menschlichen Oberschenkel nicht zu unterscheiden war, aber es wurde generell angezweifelt, ob der Knochen, wie Dubois behauptete, vom gleichen Individuum stammte wie die Schädeldecke. Einige französische Wissenschaftler mutmassten, dass Dubois damit richtig liegen könnte. Deutsche Wissenschaftler tendierten eher zur Ansicht, dass die Schädeldecke von einem grossen Menschenaffen, wie etwa von einem Gibbon stammte, während englische Wissenschaftler die Meinung äusserten, die Fossilien seien als menschlich anzusehen, die entweder von einem primitiven oder pathologischen Individuum stammten. Viele Wissenschaftler wiesen auf Ähnlichkeiten zwischen der Java-Schädeldecke und den Fossilien aus dem Neandertal hin.

Dubois verteidigte seine Auslegungen energisch und antwortete seinen Kritikern mit dem Bereitstellen von weiteren Informationen über die Fossilien. Er bereiste ganz Westeuropa, um die Fossilien vorzuzeigen und über sie zu referieren. Er wies darauf hin, dass einige Experten den Schädel als affenähnlich betrachteten, und andere als menschenähnlich. Dies stärkte ihn in seiner Aussage, dass es eine Mischung von beiden war. Im Laufe der Zeit wurde Dubois’ Position unterstützt, obwohl die Ansichten über die Fossilien sehr kontrovers blieben.

Um 1900 zog sich Dubois aus der Diskussion um den Java-Menschen heraus. Er versteckte die Fossilien in seinem Haus und ging zu anderen Forschungs-Themen über. 1897 wurde ihm die Ehrendoktorwürde in Botanik und Zoologie von der Universität von Amsterdam verliehen, und 1899 wurde er dort Professor für Kristallographie, Mineralogie, Geologie und Paläontologie. Dies war jedoch nicht so grossartig, wie es klang; er verdiente in dieser Position weniger, als er 10 Jahre vorher als Anatomie-Lektor verdient hatte.

Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte führte er Forschungen in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Disziplinen durch. Insbesondere widmete er sich engagiert dem Verständnis der Beziehung zwischen Körpergewicht und Gehirnvolumen. Er kam schliesslich auf einen komplizierten Plan, in dem alle Tiere einen bestimmten Grad von Gehirnentwicklung hatten, die in Sprüngen von zwei zunahm. Die Menschen bekamen den Index 1, Menschenaffen 1/4, Katzen und Hunde 1/8, und so weiter. Dies war ein wirklich neuer Ansatz, doch Dubois’ Ergebnisse waren fehlerhaft, da sie auf viel zu kleinen Datenmengen beruhten und auch noch auf reichlich Spekulation beigemischt war. Nach diesem System von Dubois hatte der Java-Mensch, besonders wenn er mit gibbonähnlichen Körperproportionen rekonstruiert wurde, einen Index von 1/2, der ihn komfortabel in die Lücke zwischen Menschenaffen und Menschen setzen liess.

Erst 1923 erlaubte Dubois unter dem Druck von Wissenschaftlern noch einmal den Zugang zu seinen Java-Fossilien, denn die Entdeckung ähnlicher Fossilien liessen seine Funde wieder zu einem Gegenstand der Debatte werden. Die ersten zwei Schädel des sogenannten Peking-Menschen wurden 1929 und drei weitere 1936 gefunden. In den späten 30er Jahren wurden andere pithecanthrope Fossilien auf Java bei Sangiran gefunden. Es war allen anderen klar, dass alle diese Fossilien Dubois’ Originalfund sehr ähnlich waren, aber Dubois versuchte die Originalität seiner Funde zu retten und widersprach dieser Ansicht scharf. Er behauptete, dass sie alle viel menschenähnlicher waren, während sein Fossil, und nur seines, die Lücke zwischen Menschen und Menschenaffen schloss.

Dubois ging offiziell 1928 in Pension, blieb aber wissenschaftlich aktiv und in seinen Ansichten so stur wie immer, bis zu seinem Tod 1940. In einer Abdankungsrede gab Arthur Keith eine treffende Beschreibung von Eugène Dubois:

“… an idealist, his ideas being so firmly held that his mind tended to bend facts rather than alter his ideas to fit them.”

Referenz

Theunissen B. (1989): Eugene Dubois and the ape-man from Java. Dordrecht,The Netherlands: Kluwer Academic Publishers. (by far the best reference available on Dubois and the early history of Java Man)